Bildungsgerechtigkeit und Förderung von Menschen ohne akademischen Familienhintergrund an der Universität zu Köln – Ann-

Shownotes

Dr. Ann-Kristin Kolwes, Referentin für Bildungsgerechtigkeit in der Personalentwicklung der Universität zu Köln, spricht im Interview mit Dr. Maria Schmitz-Hüser über ihren Weg von der Wissenschaft in die Universitätsverwaltung und ihr Engagement für mehr Chancengleichheit an Hochschulen. Sie berichtet, wie aus der Initiative „1. Generation Promotion“ ein Mentoring-Programm für Menschen ohne akademischen Familienhintergrund entstand. Außerdem geht es um strukturelle Barrieren im Hochschulkontext, die Bedeutung von Netzwerken und ihre Motivation, Bildungsgerechtigkeit und Diversität an der Universität nachhaltig zu stärken. Die Universität zu Köln wurde für ihr Engagement mit dem Social Diversity Award ausgezeichnet.

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00:00:05: And how about you?

00:00:04: Und was ist mit dir?

00:00:06: Warum arbeitest du an der Uni Köln?

00:00:08: Diese Frage wird mir häufig gestellt.

00:00:11: Ich bin Marie Schmitz-Hüsa, Leiterin Personalgewinnung einer Universität zu Kölnen und ich beschäftige mich damit wie wir interessierte und zu uns passende KollegInnen ansprechen gewinnen und halten können.

00:00:24: In der letzten Folge hat mir Frau Dr.

00:00:26: Anna-Bellkunz erzählt, warum sie bei uns arbeitet und wie ihr Arbeitsalltag als persönlicher Referentin der Prorektorin für akademische Karriere und Personalentwicklung der Universität zu Köln aussieht.

00:00:40: Und jetzt geht es weiter mit Angristin Kolvis.

00:00:43: Mein Name ist Ann-Kristin Käuves.

00:00:45: Ich arbeite in der Personalentwicklung und man könnte meinen Job als Referentin für Bildungsgerechtigkeit zusammenfassen, das bedeutet ich kümmere mich eigentlich um Maßnahmen die an unserer Uni sind für Studierende, Mitarbeitende, die einen nicht akademischen Familienhintergrund haben.

00:01:03: vor allen Dingen also das bedeutet sie kommen aus einer Familie wo kein Elternteil einen Hochschulabschluss hat.

00:01:09: Noch zu mir sonst, ich habe an der Uni Köln promoviert im Fach Neuro und neuste Geschichte.

00:01:14: Und bin noch während meiner Promotion quasi in die Verwaltung gewechselt und habe dort angefangen ein Mentoring-Programm aufzubauen.

00:01:21: Ihr sagtest du bist Referentin für Bildungsgerechtigkeit in der Personalentwicklung der Uni-Köln?

00:01:27: Was heißt das genau?

00:01:29: Vielleicht gibt es uns paar mehr Beispiele!

00:01:31: Die Universität zu Köln hat schon seit Jahrzehntausend, in das strategische Ziel sich am Bereich Diversity auch für Bildungsgerechtigkeit einzusetzen.

00:01:42: Und wir haben dazu verschiedene Maßnahmen – das habe ich ja schon erwähnt!

00:01:46: Das ist zum einen ein Mentoringangebot für promovierende und promotionsinteressierte mit einem nicht akademischen Familien-Hintergrund.

00:01:54: Wir haben das First Step stellen Programme, in dem wir Tandems aus Studierenden mit einem nicht akademischen Familienhintergrund und Lehrenden fördern.

00:02:04: Das heißt sie bekommen von uns die Förderung für ein Jahr als studentische Hilfskraft angestellt zu sein und haben so die Möglichkeit das erste Mal in die Wissenschaft hineinzublicken Erfahrung zu machen im Arbeitsfeld und vielleicht auch ein bisschen für sich herauszufinden ob dass eine Karriere oder einen Weg für Sie sein könnte den Sie selber verfolgen möchten.

00:02:23: Und wir haben ganz neu das Netzwerk Bildungsgerechtigkeit.

00:02:26: Dort versuchen wir unser vielfältiger Angebot besser miteinander zu vernetzen, Forschende mit Institutionen zusammenzubringen bei uns und dafür zu sorgen dass wir die Senergien eigentlich besser nutzen können und uns weiterentwickeln können auch auf so einer strukturellen Ebene.

00:02:43: Wenn du auf deinen bisherigen Karriere wegschaust gab es einen Wendepunkt an dem sich deine berufliche Richtung klar herauskristallisiert hat?

00:02:53: Oder war das so, es kommen noch Themen dazu und die entwickeln sich weiter?

00:02:57: Wie war

00:02:57: das?".

00:02:58: Ich habe ja eben schon gesagt.

00:03:00: So von meinem Hintergrund her habe ich vorher was ganz anderes gemacht also wissenschaftlich gearbeitet Und ich bin selbst erster Akademikerin und hab während meiner Promotion eigentlich das erste Mal richtig gemerkt welche Herausforderungen und Hürden man damit einhergehen, wenn man sich an einer Uni nicht richtig angekommen fühlt.

00:03:20: Wenn man das Gefühl hat, das System nicht so richtig zu verstehen.

00:03:23: und diese Dinge.

00:03:24: Während meiner Promotion habe ich zusammen mit anderen Promovierenden eine Initiative, ein Verein mit aufgebaut.

00:03:31: Erste Generation Promotion und aus diesem Engagement setzendlich auch das Mentoring entstanden.

00:03:37: Und die Motivation, die ich heute noch habe ist, die Erfahrungen, die Ich auf meinem Weg gemacht habe weiterzugeben und zukünftig dafür zu sorgen dass solche Hürden für andere vielleicht nicht mehr so stark existieren oder wir es schaffen sie ganz abzubauen.

00:03:51: War es das, was dich ursprünglich motiviert hat, dich so intensiv mit Diversität und Chancengerechtigkeit auseinanderzusetzen?

00:04:01: Ich glaube die erste Initialzündung kommt eher aus meinem geisteswissenschaftlichen Studium und der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Theorien zu verstehen wie da Dinge zusammenhängen.

00:04:15: Anknüpfungspunkt war für mich eher Geschlechtergerechtigkeit und Gender.

00:04:18: Ich habe auch eine Zeit lang bei der Gleistungsbeauftragten gearbeitet, weil das auch Dinge sind die mir sehr am Herzen liegen, weil ich immer mehr verstanden habe oder mir jetzt immer klarer ist.

00:04:28: diese intersektionalen Verschränkungen, die wir zwischen unterschiedlichen Diversitätskategorien haben spielen immer eine Rolle für die individuellen Hürden- und Herausforderungen oder auch Diskriminierung, die ich erlebe Und über die Sensibilität dafür, wie das Wissenschaftssystem auf Frauen reagiert.

00:04:45: Was ich erlebt habe in dem System, hab' ich dann quasi die größere Offenheit dafür entdeckt, dass eben mein nicht akademischer Familienhintergrund an ganz vielen Stellen auch einen sehr großen Einfluss darauf hatte, welchen Weg ich gegangen bin und wie vielleicht auch hierhin gekommen bin, wo ich jetzt

00:05:00: bin.".

00:05:01: Gab es Momente, in denen du selbst Ausgrenzung oder strukturelle Hörden erlebt hast?

00:05:08: Oder war das nicht so?

00:05:10: Doch, auf jeden Fall.

00:05:11: Also es war mir ganz lange nicht klar... Gerade das Thema Welche Informationen habe ich eigentlich, die mir zur Verfügung stehen.

00:05:18: Worauf kann ich zurückgreifen?

00:05:19: Wen kann ich fragen?

00:05:21: Es ist eines was mich sehr lange beschäftigt hat und wo ich auch gemerkt hab Ich habe einfach keine guten Netzwerke gehabt.

00:05:26: Ich konnte nie wirklich gut Fragen stellen und war immer sehr unsicher in dem ganzen Betrieb Wissenschaft vor allen Dingen.

00:05:34: auch Und auch als sich in der Verwaltung angefangen habe, habe ich gemerkt dass es noch mal etwas ganz anderes glaube ich, wenn man in so neue Bereiche reinkommt und keine Vorbilder dafür hat oder das Gefühl hat.

00:05:47: Man ist da alleine dann steigt diese Unsicherheit oder dieses Gefühl dass man nicht so gut ist wie die anderen und dass man nichts so viel weiß.

00:05:56: Und da gibt es ja dieses Stichwort im Posterphänomen.

00:05:59: Ich glaube, das ist auch sehr verbreitet bei erster AkademikerInnen Und ja, das sind Dinge die ich alle erlebt habe.

00:06:06: Wo ich heute natürlich noch mehr stärker drauf schauen kann und Rückblickend feststellen kann ... Ja, das waren für mich wirklich Dinge, die vielleicht auch meinen Karriereweg beeinflusst haben.

00:06:16: Ich hab mir zum Beispiel nie vorstellen können eine Professur in Angriff zu nehmen oder den Traum in Angrift zu nehmen weil ich früh festgestellt hab, ich hab mich verglichen mit dem anderen, hab für mich festgestellt, ich bin nicht so gut wie die anderen.

00:06:29: da werde ich keine Chance haben.

00:06:30: Das müssen wir gar nicht erst probieren!

00:06:32: Du hast für die Universität zu Köln den Social Diversity Award entgegengenommen.

00:06:37: Was genau wurde ausgezeichnet?

00:06:40: Ja, der Social Diversity Awards ist eine Auszeichnung vom Netzwerk Chancen.

00:06:44: Das ist eine deutschlandweite Initiative für die Zielgruppe von Erstakademikerinnen oder Personen mit einem nicht akademischen Familienhintergrund und Personen, die so ekonomisch nicht gut gestellt sind und dort Hürden erleben.

00:06:56: Er adressiert vor allen Dingen eher so den Bereich Wirtschaft, aber dieser Award wird in verschiedenen Kategorien ausgeschrieben und eines eben Company of the Year.

00:07:04: Und dort werden Unternehmen, Institutionen ausgezeichnet die sich besonders für diesen Bereich einsetzen.

00:07:10: und ja ich mache das jetzt schon ein bisschen und daher war es für mich total klar dass wir mit uns an Sachen richtig gut dastehen und wir viel haben und viel weiter sind vielleicht schon als andere und deshalb habe ich gedacht das probieren wir einfach mal aus und bewerben uns dort.

00:07:25: Und die Auszeichnung haben wir eben dafür bekommen als Gesamtuniversität, als Arbeitgeberin was für ... Programme wir eben haben für die unterschiedlichen Zielgruppen, denn auch Promovierende sind bei uns angestellt.

00:07:36: Studentische Hilfskräfte sind bei us angestellt und wir sind ihre Arbeitgeberin als Universität.

00:07:42: Das Netzwerk adressiert an die strukturellen Bedingungen mit meiner Stelle oder dem was ich als Einsatz habe.

00:07:50: Adressieren wir Dinge stärker und können nachhaltig zeigen dass wir versuchen an den Strukturen etwas zu ändern und dass wir auch etwas daran ändern müssen, damit sich Bildungsgerechtigkeit nachhaltig weiter durchsetzt.

00:08:08: Also wurde das gesehen und anerkannt?

00:08:10: Warum sind Auszeichnungen dieser Art wichtig?

00:08:14: Ja, das Erspannende ist ja dass wir hier eine Auszeichnung haben die nicht explizit für die Hochschule ist und ich glaube dass es schon etwas auch noch mal macht im Inneren.

00:08:23: Wir sind so eine große Universität und da haben so viele tolle Angebote und das ist manchmal ein bisschen schwierig genau die Dinge für sich raus zu finden und diese auch zu sehen und das auch gerade nochmal Im Kontext dessen das natürlich Studium oder auch ihr Arbeiten Wissenschaft immer mit eigentlich Zeitdruck und diesen Dingen einher geht und dann noch rechts und links zu gucken.

00:08:43: Manchmal nehmen wir Sachen, die wir schon lange haben.

00:08:47: Häufig als eine Selbstverständlichkeit war.

00:08:49: und dann ist so ein kleiner Impuls von außen, der noch mal sagt hey ihr macht das richtig gut!

00:08:54: Eine tolle Motivation und das finde ich besonders schön weil... Ich habe jetzt viel über die Programme gesprochen, die wir bei uns in der Verwaltung haben und die dort angesiedelt sind.

00:09:04: Aber wir haben auch tolle andere Projekte wie das Talent-Scouting zum Beispiel oder auch Projekten, die beim Zentrum für Lehrerinnenbildung angedockt sind, die auch im Großen das Thema Bildungsgerechtigkeit adressieren.

00:09:16: und eben dieser große Strauß von unterschiedlichen Maßnahmen mit unterschiedlichen Verantwortlichkeiten – das ist das, wofür hier eben ausgezeichnet wurden.

00:09:24: und was das Besondere macht Diese Wertschätzung durch die Bewerbung und die Auszeichnung auch an diese Personen weitergeben zu können, das finde ich eine ganz schöne Auszeichnung für die Arbeit.

00:09:36: Jetzt würde man meinen Hochschulen Orte der Offenheit und dennoch siehst du strukturelle Barrieren, die wir in Organisationen wie Hochschule immer noch begegnen?

00:09:48: Ja auf jeden Fall!

00:09:51: Also ich glaube es hat zwei Ebenen die besonders für diese Gruppe entscheidend sind.

00:09:56: Das eine ist Zugänge und finanzielle Mittel- und Informationen, da herrscht immer noch ne große Selbstverständlichkeit, dass man sich eben das Studium auch leistet.

00:10:06: Dass man sich voll darauf konzentriert und dieses Bewusstsein dafür, dass viele Menschen vielleicht nicht ja alle finanziellen Mittel zur Verfügung haben, dass ein Studium in Köln sehr teuer ist, dass es fast unmöglich ist wenn man sich nebenbei weil das nicht mehr ausreicht, dass das aber nicht aufhört.

00:10:26: Dass auch Promovierende in prekären Arbeitsverhältnissen sind und WissenschaftlerInnen mit den befristeten Verträgen.

00:10:32: Dass es dort große Sorgen gibt für Menschen die kein Netz haben sag ich jetzt mal die ein großes Risiko reinlegen, sich diese Dinge leisten zu können oder hart dafür arbeiten.

00:10:44: Und das ist eine strukturelle Hürde, die wir immer noch nicht genug sehen.

00:10:48: und das andere so ein Stück weit auch dass wie wir Wissenschaft verstehen unsere Hochschulkultur also wie wir definieren wir hierhin gehört und was wir manchmal meinen wäre vielleicht auch nicht hingehört.

00:11:02: Und ich glaube, dass da noch ein großes Potenzial drin liegt.

00:11:06: Dass wir auch heben können, sag' ich jetzt mal als Arbeitgeberin wenn wir darüber sprechen, wen wir als Studierende hier hinholen zu gucken für wen sind wir denn eigentlich attraktiv und für wen öffnen wir uns?

00:11:18: Und auch für Mitarbeiterinnen zu sagen Wir haben das im Blick und das ist einen Teil den wir mit aufgreifen wo wir dich eben auch in deinen verschiedenen Diversitätsdimensionen sehen und da sind wir glaub ich nicht nur in Bildungsgerechtigkeit gut sondern insgesamt sehr gut, wenn es darum geht die Vielfalt und Unterschiedlichkeit von all den Menschen, die mit der Universität zu tun haben.

00:11:41: Jetzt kämpfst du ja selber schon so lange für diese Themen?

00:11:45: Und steckst so viel Herzblut da drin!

00:11:48: Was hat dir der Gewinn des Social Diversity Award persönlich

00:11:52: bedeutet?!

00:11:53: Ja, für mich ist es eine tolle Auszeichnung dafür.

00:11:57: Dass wir mit unserer Arbeit richtig gute Arbeit leisten und ich arbeite schon so lange daran hier an der Uni immer mehr aufzubauen das Thema immer mehr in den Fokus zurück und dafür zu Sensibilisierungen.

00:12:09: und deshalb ist es natürlich auch eine Auszeichnung die mich persönlich sehr freut und bin immer noch ganz begeistert wenn ich mir dem Preis angucke eine Motivation, da dran zu bleiben und weiterzumachen und nicht aufzuhören.

00:12:26: Das war Frau Dr.

00:12:27: Anke Stinkolvis Referentin für Bildungsgerechtigkeit in der Personalentwicklung der Universität

00:12:33: zur Köln.

00:12:34: Und jetzt frage ich Sie in How about you?

00:12:37: Sehen sie auch

00:12:37: dabei!

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